Erstellt am Mittwoch, 01 Dezember 2004

Bericht der "Grafschafter Nachrichten"

Bericht der "Grafschafter Nachrichten"
Handball-Bundesligist HSG Nordhorn wäre im Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten Bayer Dormagen fast gestrauchelt. Holger Glandorf erzielte Sekunden vor Schluss das glückliche Siegtor.


Von Frank Hartlef



Dormagen - Sechs Se Handball-Bundesligist HSG Nordhorn wäre im Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten Bayer Dormagen fast gestrauchelt. Holger Glandorf erzielte Sekunden vor Schluss das glückliche Siegtor.

Von Frank Hartlef

Dormagen - Sechs Sekunden waren gestern Abend im Bayer-Sportcenter noch zu spielen. 26:26 hieß es im Achtelfinalspiel des DHB-Pokals zwischen den Gastgebern aus Dormagen und der HSG Nordhorn. Fast 50 Sekunden dauerte der letzte Angriff der Gäste bereits, die nie nachweisen konnten, dass hier der Bundesliga-Vierte auf den Dritten der 2. Liga Süd traf. Und so musste dem Favoriten schon ein Freiwurf als letzter Rettungsanker dienen, um das Viertelfinale zu erreichen: Dass ausgerechnet Holger Glandorf die finale Aktion krönte, indem er das Spielgerät am hervorragenden Joachim Kurth im Tor der Dormagener vorbei wuchtete, passte irgendwie zu diesem Spiel, in dem für die HSG Nordhorn eigentlich gar nichts stimmte, bis auf das Ergebnis - 27:26 (13:13).

Das wusste auch Glandorf, der kopfschüttelnd Richtung Kabine schlenderte, nachdem er sich mit seinen Kollegen artig vom enthusiastischen Publikum verabschiedet hatte. Fünf Tore hatte er geworfen, vier davon in den letzten acht Minuten. Damit hatte er entscheidenden Anteil daran, dass die Nordhorner nach einem 21:23-Rückstand (51.) ein Spiel noch umbogen, das eigentlich einen anderen Sieger verdient gehabt hätte. Glandorf wirkte denn auch alles andere als zufrieden und rätselte: "Irgendwie ist bei mir der Wurm drin."

Das galt gestern beinahe uneingeschränkt für die gesamte Nordhorner Mannschaft. Ausnahmen: In der zweiten Halbzeit hielt wenigstens Peter Gentzel noch ein paar entscheidende Bälle. Jan Filip glänzte wieder als bester Werfer (8/1) und Maik Machulla (6) gab eine anständige Figur im Rückraum ab. Ansonsten bestimmten zum Teil haarsträubende Fehler in Angriff und Abwehr das Bild.

Gegen die mit viel Leidenschaft und Engagement zu Werke gehenden Dormagener schlug die HSG selbst beste Chancen in den Wind, das Spiel zu entscheiden. Symptomatisch für die kompletten 60 Pokal-Minuten: Als die Gäste 9:5 führten (15.), brachten sie sich durch drei kurz aufeinanderfolgende Strafzeiten selbst ins Straucheln. Iwan Ursic (wegen Reklamierens), Robert Arrhenius (Abwehr mit dem Fuß) und Machulla (Wechselfehler) nahmen sich binnen 55 Sekunden selbst aus dem Spiel. Die doppelte und dreifache Überzahl nutzte der TSV Bayer, um mit fünf Toren in Folge 10:9 in Führung zu gehen. "Diese Zeitstrafen waren unmöglich", schimpfte Manager Bernd Rigterink.

Selbst die 26:24-Führung in der Schlussphase ließen sich die Gäste wieder abknöpfen und Bayer zum 26:26 ausgleichen. Nur mit Glück und Glandorf erreichte die HSG die Runde der letzten acht Vereine. Das freute auch Ola Lindgren, doch der HSG-Trainer resümierte enttäuscht: "Ich glaube, wir hatten den Sieg nicht verdient."

Stimmen:

Ola Lindgren, Trainer HSG Nordhorn: Kompliment an die Dormagener: Sie haben alles gehabt, was meiner Mannschaft gefehlt hat: Leidenschaft, Einsatz, Arbeitsfreude. Wir haben viel zu viele technische Fehler gemacht und zu viel verworfen. Ich bin sehr enttäuscht von der Leistung meiner Mannschaft und hoffe, das kommt in dieser Saison nicht wieder vor.

Kai Wandschneider, Trainer Bayer Dormagen: Wir haben sensationell gespielt, aber die Sensation leider nicht geschafft. Wir haben mit unserem aggressiven Spiel Nordhorn zu den vielen technischen Fehlern gezwungen. Durch so eine Standardsituation kurz vor Schluss zu verlieren und auszuscheiden, ist ganz bitter.

Holger Glandorf, Spieler HSG Nordhorn: Bei der letzten Aktion hatten wir abgesprochen, dass ich werfen soll. Da war natürlich viel Glück dabei.

Nils Meyer, Spieler Bayer Dormagen: So auszuscheiden ist schon ganz schön enttäuschend. Aber wir können stolz sein auf unsere Leistung. Es hat Spaß gemacht, vor dieser Kulisse zu spielen.

Bernd Rigterink, Manager HSG Nordhorn: Dormagen hat gekämpft, gekämpft und gekämpft. Die haben alles getan, um aus ihren Möglichkeiten das Optimale zu machen. Und wir haben unser Leistungsniveau nicht annähernd erreicht.

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Autor: TsvBayerDormagen