Erstellt am Donnerstag, 02 Dezember 2004

Pokal-Nachdreher der "Grafschafter Nachrichten"

Pokal-Nachdreher der "Grafschafter Nachrichten"
Pokalfight: Nils Meyer kann Ausscheiden mit Dormagen gegen HSG kaum fassen


Über 60 Pokal-Minuten hatten sie sich kräftig behakt. Und nachdem der TSV Bayer Dormagen das Achtelfinalspiel mit 26:27 (13:13) unglücklich gegen die HSG Nordhorn verlore Pokalfight: Nils Meyer kann Ausscheiden mit Dormagen gegen HSG kaum fassen

Über 60 Pokal-Minuten hatten sie sich kräftig behakt. Und nachdem der TSV Bayer Dormagen das Achtelfinalspiel mit 26:27 (13:13) unglücklich gegen die HSG Nordhorn verloren hatte, kreuzten sich die Wege von Nils Meyer und Holger Glandorf erneut.

"Mann, Glandorf", raunzte Meyer seinen alten Spezi aus gemeinsamen Zeiten bei der HSG-Reserve an, "wie kann das angehen?" Der gebürtige Schüttorfer konnte es kaum fassen, dass er mit dem Zweitligisten so knapp gegen den Favoriten verloren hatte. Und dass ausgerechnet Glandorf Sekunden vor Schluss mit einem Freiwurf der entscheidende Treffer gelungen war, wurmte ihn natürlich besonders.

Warum die umkämpfte Partie am Dienstagabend vor 1550 Zuschauern im schmucken Bayer-Sportcenter für die Gastgeber letzten Endes einen so unglücklichen Verlauf genommen hatte, konnte sich Meyer auch nicht recht erklären. "Nach der Auszeit fing das an", grübelte der 25-Jährige. Bei 23:21 (51.) für die Westdeutschen hatte HSG-Trainer Ola Lindgren die grüne Karte gezückt - und muss wohl die richtigen Worte gefunden haben. Danach legten die Gäste jedenfalls vier Tore in Folge hin und vor allem Glandorf, der sich zuvor ein wenig hatte ausruhen dürfen, trumpfte in den letzten acht Minuten auf, als er vier seiner insgesamt fünf Treffer erzielte.

"Ich weiß auch nicht, was da bei uns passiert ist", konnte sich Meyer keinen Reim darauf machen, warum er und seine Kollegen den Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben hatten. Doch selbst dieser Rückschlag warf das leidenschaftlich und engagiert kämpfende Bayer-Team nicht aus der Bahn. "Bei 26:26 waren wir ja wieder dran", gibt Meyer zu bedenken. Mit zwei Toren war er an der Trefferausbeute seines Teams für seine Verhältnisse unterdurchschnittlich beteiligt. Allerdings holte der Rückraumspieler, der nach 15 Minuten beim Stand von 5:9 von der linken Seite auf die Spielmacherposition gerückt war, zwei Siebenmeter heraus. Und von den vielen guten Aktionen in der Offensive war eine ein richtiges Zuckerstück; den Kempatrick, den Michiel Lochtenbergh zum 17:17 einnetzte, hatte Meyer mit einem feinen Pass eingefädelt.

Auf der Suche nach den Gründen, warum der Außenseiter die Sensation letztlich verpasste, kam Meyer an der Situation nicht vorbei, als er beim Stand von 23:24 den Zweikampf mit Glandorf suchte und mit seinem Wurf an Peter Gentzel im HSG-Tor scheiterte. "Ich meine, Holger hing mir im Arm drin", fand der Schüttorfer einen Freiwurf angebracht. Die Schiedsrichter Matthias Dang und Thorsten Zacharias (Mainz), die mit ihren Entscheidungen auf beiden Seiten nicht immer richtig lagen, ließen jedoch weiterspielen. Und als Meyer sich noch fluchend wieder aufrappelte, lochte auf der anderen Seite Glandorf bereits zum 25:23 (55.) für die HSG ein, "weil ich in der Abwehr gefehlt habe", wie sich Meyer ärgerte.

Mit seiner Leistung in der Deckung konnte er zufrieden sein. Und auch er hatte sich einige Male an Glandorf drangehängt, was von den Unparteiischen oft ungeahndet blieb. In der 38. Minute schickten sie Meyer jedoch für zwei Minuten auf die Bank. Das war bereits die dritte Zeitstrafe für die Dormagener nach dem Wechsel. Doch selbst diese Phase in ständiger Überzahl konnte die HSG nicht nutzen. "Da hätten wir uns absetzen müssen", wusste Glandorf, der sich ebenfalls keinen Reim darauf machen konnte, warum die HSG auf dem Weg ins Viertelfinale derart ins Schlingern geraten konnte: "Denn anfangs lief es ja eigentlich ganz gut für uns", rief er die Phase bis zum 9:5 in Erinnerung. Letztlich hing es - wie so oft im Sport - an Kleinigkeiten und am Glück.

Meyer dachte zum Beispiel an die Szene, als der starke Dormagener Torhüter Joachim Kurth beim letzten Nordhorner Angriff einen Wurf von Maik Machulla ins Seitenaus abwehrte. "Wenn der Ball einem von uns zuspringt, haben wir die Chance zum Siegtreffer", überlegte er.

Den hätten den Gastgebern unter den 1550 Fans wohl auch die aus Schüttrof angereisten Anhänger gegönnt. "23 Karten musste ich besorgen", berichtete Meyer. Wenn er und seine Kollegen noch häufiger so spielen, werden Eltern und Freunde aus der Heimat wohl noch einige Male in dieser Saison anreisen. Ein Trost für die Pokal-Niederlage aber ist das nicht.

von Frank Hartlef

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Autor: TsvBayerDormagen